Jeder Tag, an dem eine Sau nicht trächtig im Stall steht, kostet bares Geld. Fehlbelegungen fallen ohne Kontrolle oft erst auf, wenn die Sau erneut rauscht – und bis dahin sind bereits wertvolle Wochen ungenutzt verstrichen. Die Trächtigkeitsanalyse per Ultraschall gehört deshalb zu den Routineuntersuchungen, die sich in der modernen Sauenhaltung wirtschaftlich am schnellsten auszahlen.
Nicht erkannte Leertage können nach gängigen Berechnungen mit bis zu 7 € pro Sau und Tag zu Buche schlagen – Futter, Platzkosten und entgangene Leistung eingerechnet. Wird eine nicht belegte Sau erst nach mehreren Wochen bemerkt, summiert sich das schnell zu einem spürbaren Verlust je Sau. Eine frühzeitige Trächtigkeitsanalyse schafft hier Klarheit: Nicht tragende Sauen lassen sich zügig erneut belegen oder gezielt weiter abklären, statt unnötig Stallplatz und Futter zu binden.
B-Mode-Ultraschallscanner senden hochfrequente Schallwellen aus, die von Gewebe, Flüssigkeit und Fruchtblasen unterschiedlich reflektiert werden. Das Echo wird als Bild auf einem Monitor dargestellt – Fruchtblasen erscheinen zwischen dem 22. und 35. Trächtigkeitstag als deutlich abgegrenzte dunkle Bereiche. Dieses bildgebende Verfahren liefert die zuverlässigste Diagnose und wird deshalb in der Praxis am häufigsten eingesetzt.
Ab dem 18. bis 22. Tag nach der Besamung lässt sich eine Trächtigkeit erstmals sicher nachweisen, im Zeitfenster zwischen dem 22. und 35. Tag ist die Bildqualität am besten auswertbar. Ein praktischer Tipp aus dem Alltag: Die Untersuchung gelingt zuverlässiger, wenn die Sauen rund zwei Stunden nach der Fütterung untersucht werden – dann ist die Harnblase in der Regel entleert und die Sauen verhalten sich ruhiger, was Verwechslungen mit der Harnblase vorbeugt.
Die Sau steht ruhig im Kastenstand oder in der Bucht. Der Schallkopf wird mit Kontaktgel seitlich am Unterbauch angesetzt – etwa in der Leistengegend, knapp oberhalb des Gesäuges und vor dem Hinterbein. Der Untersuchende richtet den Schallkopf schräg nach hinten und unten in Richtung Becken. Bildlich gesprochen wird dabei wie mit einer Taschenlampe durch den Bauch in die Gebärmutter hineingeleuchtet.
Auf dem Monitor erscheinen bei einer Trächtigkeit dunkle, runde Fruchtblasen. Darin lassen sich helle Embryonen oder Föten erkennen. Je nach Trächtigkeitsstadium können später auch weitere Strukturen, sogar Bewegungen sichtbar sein.
Die Untersuchung dauert meist nur wenige Sekunden und ist für die Sau schmerzfrei. Ein negatives oder unsicheres Ergebnis sollte nach einigen Tagen kontrolliert werden. Mit der üblichen Untersuchung wird vor allem festgestellt, ob die Sau tragend ist; die genaue Zahl der Ferkel lässt sich damit nur eingeschränkt bestimmen.
Für die Landwirtin oder den Landwirt bedeutet das im Alltag: kurze Untersuchungsdauer je Sau, sofortiges Ergebnis direkt am Bildschirm und keine Wartezeit auf ein Labor. Gerade bei größeren Sauenherden lässt sich die Kontrolle so gut in die bestehenden Routinen der Bestandsbetreuung integrieren.
Die Ultraschalluntersuchung kann noch mehr als nur eine Ja/Nein-Aussage zur Trächtigkeit liefern. Mit einem hochauflösenden Gerät lässt sich zusätzlich der Zustand der Eierstöcke beurteilen:
Der Tierarzt setzt den Schallkopf seitlich an die Flanke der Sau, etwa zwischen letzter Rippe und Hinterbein, tief in die Flanke und richtet ihn schräg aus. Mit einer halbrunden Handbewegung arbeitet sich der Tierarzt suchend vor, weil die Eierstöcke tief und beweglich liegen – bis der richtige Winkel gefunden ist. Prof. Dr. Johannes Kauffold, Professor für Schweine und Reproduktionsbiologie an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig, hat es mir gegenüber immer so formuliert: „Die Eierstöcke kommen und gehen.“ Gemeint ist: auf dem Monitor.
Auf dem Bildschirm zeigen sich die Eierstöcke als kleine, hell strukturierte Gebilde mit dunklen Einsprengseln – Follikel als dunkle runde Bläschen, Gelbkörper als kompaktere, hellere Strukturen, Zysten als größere, dünnwandige Hohlräume.


Die Ovardiagnostik ist keine Routineuntersuchung. Die richtige Einschätzung des Zyklusstandes erfordert viel Übung und Erfahrung. Sie gehört zu den anspruchsvollsten sonographischen Techniken in der Schweinemedizin, und nur wenige Tierärzte beherrschen sie verlässlich. Genau diese Seltenheit macht die Untersuchung zu einem Unterscheidungsmerkmal der fachkundigen Bestandsbetreuung. Wer sie beherrscht, kann Fragen beantworten, die mit der reinen Trächtigkeitskontrolle offen bleiben.
Ein einzelner Besuch genügt nicht. Eierstöcke verändern sich über den Zyklus, und eine belastbare Aussage über den Zyklusstand einer Gruppe entsteht meist erst aus dem Verlauf über mehrere Untersuchungstage hinweg. Das ist ein erheblicher Aufwand. Es bedeutet mehrere Termine im Bestand, wiederholte Untersuchungen derselben Sauen und saubere Dokumentation. So kann mit der Ovardiagnostik der richtige Besamungszeitpunkt festgestellt werden.
Man kann unter anderem Eierstockzysten erkennen, den Zyklusstand nicht tragender Sauen einordnen und die Ursache von Fruchtbarkeitsproblemen gezielter eingrenzen als über die reine Trächtigkeitskontrolle. Für Betriebe mit wiederkehrenden Umrauschproblemen oder auffällig hohen Leertagen ist die Ovardiagnostik daher eine sinnvolle Ergänzung.
Konsequent durchgeführte Trächtigkeitsanalysen zahlen sich an mehreren Stellen aus:
Die Trächtigkeitsanalyse per Ultraschall ist eine der wirtschaftlich lohnendsten Routineuntersuchungen in der Sauenhaltung: kurze Untersuchungsdauer, sofortiges Ergebnis, spürbar weniger Leertage. In Kombination mit Ovardiagnostik und der Auswertung von Sauenplanerdaten wird aus der einfachen Trächtigkeitskontrolle ein echtes Werkzeug für das Fruchtbarkeitsmanagement Ihres Betriebs.
Sie möchten die Trächtigkeitsanalyse oder Ovardiagnostik in Ihrem Bestand einführen oder optimieren? Sie haben Fragen rund um das Thema Fruchtbarkeit? Das Team der Tierarztpraxis KNG unterstützt Sie als Fachtierarztpraxis für Schweine mit Fruchtbarkeitsdiagnostik, beim Besamungsmanagement und der individuellen Auswertung Ihrer Betriebsdaten. Jetzt Termin vereinbaren.