KNG auf internationaler Bühne: E-Poster beim ESPHM 2026 vorgestellt

Internationale Bühne für praxisnahe Forschung: Beim European Symposium of Porcine Health Management (ESPHM) 2026 stellte unser Tierarzt Christian Baumann ein wissenschaftliches E-Poster vor. Der Fallbericht zeigt, welches Potenzial die Quorum Sensing Inhibition (QSI) als ergänzender Baustein für mehr Tiergesundheit und einen verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatz bietet.

KNG beim ESPHM 2026 vertreten

Vom 13. bis 15. Mai 2026 fand in Florenz das 17. European Symposium of Porcine Health Management (ESPHM) statt. Der internationale Fachkongress zählt zu den wichtigsten Veranstaltungen für Tierärztinnen und Tierärzte sowie Wissenschaftler im Bereich der Schweinegesundheit. Er bietet eine Plattform für den fachlichen Austausch über aktuelle Forschungsergebnisse und innovative Ansätze in der Bestandsbetreuung. 

Auch die KNG war in diesem Jahr vertreten: Unser Tierarzt Christian Baumann nahm am ESPHM 2026 teil und präsentierte dort ein eigenes wissenschaftliches E-Poster (Poster-ID: MIS-PP-37). Damit war KNG nicht nur Teilnehmer des internationalen Fachkongresses, sondern auch mit einem eigenen Beitrag im wissenschaftlichen Programm vertreten. 

Wissenschaftlicher Austausch für die Praxis

Internationale Fachkongresse wie das ESPHM ermöglichen den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus Wissenschaft und Praxis. Neue Erkenntnisse können diskutiert, Erfahrungen verglichen und innovative Ansätze für die tierärztliche Bestandsbetreuung bewertet werden. 

Für uns ist die kontinuierliche Fortbildung ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Die Teilnahme am ESPHM hilft dabei, aktuelle Entwicklungen einzuordnen und neue Impulse für die Beratung unserer Kunden mitzunehmen. 

Unser E-Poster

Im Rahmen des Kongresses stellte Christian Baumann das E-Poster „Reduction of Neonatal Diarrhea by Quorum Sensing Inhibition – A Field Case Report“  vor. 

Das Poster beschreibt einen Praxisfall zur Stabilisierung eines Sauenbestandes durch ein ganzheitliches Gesundheitskonzept. Im Mittelpunkt steht der ergänzende Einsatz einer Quorum-Sensing-Inhibition (QSI) zur Unterstützung des Bestandsmanagements und zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes. 

Für alle Interessierten stellen wir nachfolgend die deutsche Übersetzung des Posters zur Verfügung. 

Einfluss der Quorum-Sensing-Inhibition als Mittel zur Kontrolle bakterieller Durchfallerkrankungen bei neugeborenen Ferkeln und zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes – ein Fallbericht

Hintergrund und Zielsetzung

Neonatale Durchfallerkrankungen gehören weiterhin zu den wirtschaftlich bedeutendsten Erkrankungen in der Schweinehaltung, verursachen erhebliche Verluste und führen häufig zum Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe. Ein 650-Sauenzuchtbetrieb mit dänischer Genetik und Ein-Wochen-Rhythmus, war von neonatalen Durchfällen, einer Saugferkelmortalität von über 20 %, umfangreichen Antibiotikabehandlungen sowie einem nahezu herdenweiten Auftreten des Postpartum-Dysgalaktie-Syndroms (PPDS; kurz MMA) betroffen (C). Ziel dieses Fallberichts war die Stabilisierung des Bestandes durch einen integrierten, schrittweisen Ansatz, der Diagnostik, Managementmaßnahmen und die Einführung einer Quorum-Sensing-Inhibitionstechnologie (QSI) zur Verringerung der bakteriellen Virulenz kombinierte. 

Material und Methoden

Die multidisziplinäre Intervention umfasste eine Neubewertung des Abferkelmanagements, diagnostische Untersuchungen, gezielte Verbesserungen des Temperaturmanagements, Split-Suckling, Ammen- und Wurfausgleichsmaßnahmen (Cross-Fostering), eine Anpassungen der Fütterung sowie die Einführung einer bestandsspezifischen Impfung. 

Bis sämtliche Maßnahmen ihre Wirkung entfalten konnten, erhielten die Ferkel der Gruppe 1 (V1) am ersten Lebenstag zusätzlich ein intramuskulär verabreichtes Cephalosporin. In Gruppe 2 (V2) wurden darüber hinaus die auf QSI basierenden oralen Produkte PigletControl™ und PigletActivate™ unmittelbar nach der Geburt eingesetzt. Die Sauen erhielten peri partum MetriPaste™ zur Vorbeugung bzw. Metaphylaxe von PPDS. 

Die Ergebnisse wurden anhand der Durchfallhäufigkeit, der Ferkelsterblichkeit, des Therapieindex sowie der Fieberrate der Sauen und des Auftretens von PPDS bewertet. 

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Abbildung 1. Neonatale Diarrhoe (ND) in den einzelnen Gruppen während der ersten drei Lebenstage.

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Abbildung 2. Mortalität bis zum dritten Lebenstag in den einzelnen Gruppen. 

Ergebnisse

In der Gruppe V1 zeigte sich trotz eines erhöhten Therapieindex lediglich eine geringe Verbesserung der neonatalen Durchfälle (p = 0,1595). Im Gegensatz dazu konnte in der Gruppe V2 eine signifikante Reduktion der neonatalen Diarrhoe beobachtet werden – mit nahezu vollständiger Unterdrückung während der ersten drei Lebenstage (p = 0,0000; Abbildung 1). 

Darüber hinaus verringerte sich die Mortalität um etwa 50 % (p = 0,0075; Abbildung 2). Der Therapieindex sank deutlich auf etwa eine antibiotische Behandlung pro Ferkel (deskriptive Auswertung). Auch die Stabilität der Sauen nach dem Abferkeln verbesserte sich, was sich in weniger Fieberfällen und einem reduzierten Auftreten von PPDS zeigte, jedoch ohne statistische Signifikanz. 

Diskussion und Schlussfolgerung

Nicht-antibiotische Strategien gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Modulation von Quorum-Sensing-Systemen – zentralen Regulatoren von Virulenz, Toxinproduktion und Biofilmbildung – stellt hierbei einen vielversprechenden Ansatz dar. 

Komplexe bakteriologische Krisensituationen lassen sich nicht allein durch antimikrobielle Behandlungen lösen. Ein ganzheitliches, interdisziplinäres Konzept, das sowohl Management- als auch Infektionsfaktoren berücksichtigt und durch QSI unterstützt wird, führte zu einer nachhaltigen Stabilisierung des Bestandes. 

QSI stellt ein wirksames ergänzendes Instrument dar, um die bakterielle Kommunikation zu stören und dadurch Managementmaßnahmen die notwendige Wirksamkeit zur Wiedererlangung der Bestandskontrolle zu ermöglichen.

Piglet Control

Weniger Saugferkeldurchfall mit weniger Antibiotika? Ein Fallbericht vom ESPHM 2026

Beim 17. European Symposium of Porcine Health Management (ESPHM 2026) vom 13. bis 15. Mai in Florenz hat unser Tierarzt Christian Baumann ein eigenes E-Poster vorgestellt (ID: MIS-PP-37). Thema war ein Ansatz, der in der Schweinegesundheit noch wenig Aufmerksamkeit bekommt: die Quorum Sensing Inhibition (QSI) als ergänzendes Werkzeug gegen neonatalen Ferkeldurchfall – mit dem Ziel, Würfe zu stabilisieren und gleichzeitig den Antibiotikaeinsatz zu senken.

Das Problem: Durchfall in den ersten Lebenstagen

Neonataler Durchfall gehört zu den häufigsten und wirtschaftlich relevantesten Problemen in der Ferkelaufzucht. Erkrankte Würfe bedeuten Tierwohleinbußen, höhere Saugferkelverluste, Mehrarbeit und – nicht zuletzt – einen oft erheblichen Behandlungsaufwand. 

Der dem Fallbericht zugrunde liegende Betrieb war ein klassisches Beispiel: Vor der Untersuchung traten Durchfälle in über 60 % der Würfe auf, die Saugferkelsterblichkeit lag bei über 20 %. Ein Druck, der nach einer belastbaren Lösung verlangt – idealerweise einer, die nicht allein auf immer mehr Antibiotika setzt. 

Was ist Quorum Sensing – und warum ist die Hemmung interessant?

Quorum Sensing ist die „Kommunikation“ von Bakterien untereinander. Über chemische Signalstoffe registrieren Bakterien, wie groß ihre Population ist. Erst ab einer bestimmten Dichte schalten sie gemeinsam bestimmte Programme an – etwa die Bildung von Virulenzfaktoren, Toxinen oder Biofilmen. 

Genau hier setzt die Quorum Sensing Inhibition an: Statt die Bakterien direkt abzutöten (wie ein Antibiotikum), wird ihre Kommunikation gestört. Die Idee dahinter ist, krankmachende Eigenschaften herunterzuregeln, ohne den hohen Selektionsdruck zu erzeugen, der die Entstehung von Resistenzen begünstigt. QSI versteht sich damit nicht als Ersatz, sondern als ergänzender Baustein in einem durchdachten Gesundheitskonzept. 

Piglet Activate

Der Fallbericht: Aufbau der Untersuchung

Untersucht wurde, ob die Ergänzung mit einem QSI-Produkt (Control Liquid™, AHV) Durchfall und Sterblichkeit in einem kommerziellen Sauenbetrieb reduzieren kann. Eckdaten des Betriebs: dänische Genetik, Ein-Wochen-Rhythmus, Standort Deutschland. Erfasst wurden die Durchfallinzidenz an Tag 1–3 sowie die Sterblichkeit an Tag 3. 

Die Würfe wurden drei Gruppen zugeordnet: 

Gruppe 

Würfe 

Behandlung 

C 

23 

keine Behandlung 

T1 

27 

Cephalosporin (Tag 1) 

T2 

131 

Cephalosporin + QSI (Geburt + Tag 2) 

Wichtig zur Einordnung: T2 erhielt QSI zusätzlich zu einem angepassten Behandlungsprotokoll. Der Fallbericht bewertet QSI also als Teil eines Gesamtkonzepts – nicht isoliert. 

Die Ergebnisse

Die Unterschiede zwischen unbehandelter Kontrolle (C) und der QSI-Gruppe (T2) waren deutlich: 

Durchfall: Anteil der Würfe mit Durchfall von 70 % auf 8 % reduziert (p < 0,001). 

Sterblichkeit (Tag 3): Rückgang von 6,5 % auf 3,3 % – ebenfalls eine signifikante Reduktion in T2. 

 

Anders gesagt: In der QSI-Gruppe blieben deutlich mehr Würfe stabil, und es überlebten mehr Ferkel die kritische erste Lebensphase. 

Was bedeutet das für die Praxis?

Der Fallbericht zeigt: Ein ganzheitliches, interdisziplinäres Konzept, das Management- und Infektionsfaktoren gemeinsam adressiert und durch QSI unterstützt wird, kann die Wurfleistung nachhaltig stabilisieren. Quorum-Sensing-Systeme regulieren Virulenz, Toxinbildung und Biofilmbildung – sie zu modulieren, ist ein vielversprechender Ansatzpunkt. QSI kann dabei als ergänzendes Werkzeug die bakterielle Kommunikation stören und so Raum für Management-Maßnahmen schaffen, um die Kontrolle zurückzugewinnen. 

Bei aller Begeisterung gehört zur seriösen Einordnung aber auch: Es handelt sich um einen Fallbericht aus einem einzelnen Betrieb unter spezifischen Bedingungen. Die Ergebnisse sind nicht ohne Weiteres auf jede Betriebssituation übertragbar, und die Gruppengrößen waren unterschiedlich. QSI ersetzt weder eine saubere Diagnostik noch ein gutes Management – es ergänzt sie. Genau das macht den Ansatz aus unserer Sicht aber so interessant: Er passt in eine Strategie, die Tiergesundheit verbessern und den Antibiotikaeinsatz reduzieren will. 

Fazit

Der ESPHM-Fallbericht liefert ein praxisnahes Signal dafür, dass die gezielte Störung bakterieller Kommunikation ein sinnvoller Baustein im Kampf gegen neonatalen Ferkeldurchfall sein kann. Für uns als bestandsbetreuende Praxis ist das ein spannendes Feld – und ein gutes Beispiel dafür, wie wir wissenschaftliche Ansätze direkt in die Beratung am Betrieb einfließen lassen. 

Sie betreuen einen Sauenbetrieb mit wiederkehrenden Durchfallproblemen in der Saugferkelphase? Sprechen Sie uns an – wir schauen uns Ihre Situation gemeinsam an. 

Quellen

Jacobson M. (2022): On the Infectious Causes of Neonatal Piglet Diarrhoea – A Review. Vet Sci., 9(8):422. 

Defoirdt et al. (2010): Quorum sensing and quorum quenching in pathogenic bacteria. Microbiology and Molecular Biology Reviews, 74(3): 439–468. 

Rutherford, S. & Bassler, B. (2012): Bacterial quorum sensing: its role and potential in infectious disease control. Cell, 149, 253–266.