Afrikanische Schweinepest 2026: Was die aktuelle Forschung für Schweinehalter bedeutet

Ende November 2025 fanden Behörden in Katalonien mehrere verendete Wildschweine. Die Proben waren positiv – der erste Nachweis der Afrikanischen Schweinepest in Spanien seit 1994. Für viele Betriebe war das ein unangenehmer Weckruf. Die Seuche ist nicht irgendwo weit weg. Sie bewegt sich, und sie tut das seit Jahren quer durch Europa.

Rund um die Afrikanische Schweinepest (ASP) kursiert viel Halbwissen, gerade was die Übertragungswege angeht. Liegt es am Futter? An den Fliegen im Stall? Am Frischgras von der Wiese nebenan? In den letzten Monaten sind dazu mehrere belastbare Studien erschienen, die einige dieser Fragen deutlich klarer beantworten als noch vor wenigen Jahren. Wir verfolgen dieses Geschehen an unseren drei Standorten in Europa nicht nur regional, sondern länderübergreifend – weil die ASP sich genau so verhält. Dieser Beitrag fasst zusammen, was aktuell gesichert ist und was das für Ihre Praxis im Stall heißt.

Worum es bei der Afrikanischen Schweinepest überhaupt geht

Die Afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die ausschließlich Haus- und Wildschweine betrifft; als Krankheit wurde sie bereits 1921 in Kenia beschrieben und in Europa ab 2014 nachgewiesen. Für den Menschen ist sie ungefährlich – sie ist keine Zoonose, und auch Fleisch infizierter Tiere stellt für uns kein gesundheitliches Risiko dar. Für einen Schweinebestand dagegen ist sie das Schlimmste, was passieren kann: Die derzeit in Europa zirkulierenden Virusstämme (Genotyp II) verlaufen bei Hausschweinen fast immer tödlich. Einen in der EU zugelassenen Impfstoff gibt es nicht, eine Behandlung ebenso wenig.

Dazu kommt die rechtliche Seite. Die ASP ist in Deutschland als Tierseuche anzeigepflichtig, und auch jeder Verdacht auf eine Erkrankung muss dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden. Ein Ausbruch bedeutet Sperrzonen, Bestandsräumung und massive wirtschaftliche Folgen – nicht nur für den betroffenen Betrieb, sondern für eine ganze Region und ihren Export; beim Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest regelt die Schweinepestverordnung im Fall eines bestätigten ausbruchs auch behördlich angeordnete Tötungen aller Schweine im Betrieb. Nach ASP-Nachweisen beim Wildschwein verliert ein Land zudem seinen Status als seuchenfrei, was Exportverbote und weitere Handelsrestriktionen nach sich ziehen kann. Wer Schweine hält, hat also jedes Interesse daran, das Virus gar nicht erst auf den Hof zu lassen.

Seit den ersten EU-Ausbrüchen 2014 in den baltischen Staaten und Polen hat sich die Seuche stetig ausgebreitet. 2023 waren bereits 14 EU-Mitgliedstaaten betroffen, darunter erstmals Kroatien und Schweden. Damit hat die ASP gravierende Folgen für die europäische Schweinehaltung, und betroffene Länder leiden neben hohen Tierverlusten oft unter erheblichen wirtschaftlichen Schäden.

Dass die Seuche bei konsequentem Handeln dennoch beherrschbar ist, zeigt das prominenteste Beispiel: Tschechien. Dort wurde im Juni 2017 erstmals ASP bei Wildschweinen in der Region Zlín nachgewiesen – nach heutiger Einschätzung ein mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Menschen eingeschleppter, isolierter Ausbruch, dessen nächstes Seuchengebiet über 400 Kilometer entfernt lag. Die Behörden riegelten umgehend ein knapp 6.000 Hektar großes Kerngebiet größtenteils mit Elektrozäunen ab, verhängten dort ein Jagd- und Betretungsverbot und ließen bestimmte Ackerflächen ungeerntet, damit das Schwarzwild an Ort und Stelle blieb und die Seuche nicht weitertrug. Begleitet wurde dies von einer systematischen Kadaversuche und strengen Biosicherheitsauflagen für Hausschweinebestände. Der letzte Fall datierte bereits aus dem April 2018; die als europaweit vorbildlich eingestuften Maßnahmen führten dazu, dass das Land im Februar 2019 wieder als ASP-frei eingestuft wurde – weniger als zwei Jahre nach dem Ausbruch. Tschechien war damit das erste EU-Land, das die ASP im Wildschweinbestand vollständig tilgte, ohne dass das Virus auf Hausschweinebestände übergriff.

Auch Schweden gelang die Tilgung im Folgejahr – ein weiterer Beleg dafür, dass die Seuche beherrschbar ist, wenn konsequent gehandelt wird. In der Europäischen Union ermöglicht die Regionalisierung zudem, dass Produkte aus nicht betroffenen Gebieten weiter gehandelt werden können.

Wie wenig „seuchenfrei“ ein Dauerzustand ist, zeigt Spanien: Das Land hatte die ASP nach jahrzehntelangem endemischem Vorkommen 1995 vollständig getilgt – und galt seither als Erfolgsmodell. Ende November 2025 wurde das Virus jedoch bei Wildschweinen in Katalonien nahe Barcelona erstmals seit über drei Jahrzehnten wieder nachgewiesen. Der Fall unterstreicht, dass auch ein erfolgreich getilgtes Gebiet dauerhaft auf strikte Biosicherheit und Früherkennung angewiesen bleibt.

Karte ASP in BRD
ASP Ausbruch in Spanien pig progress

Wie sich das Virus tatsächlich verbreitet

Der häufigste Übertragungsweg ist der direkte Kontakt von infiziertem Tier zu gesundem Tier, besonders zwischen infizierten Wildschweinen und Hausschweinen, bei denen schon geringer Kontakt für eine Infektion ausreichen kann. Bei Wildschweinen kommt der Kontakt zu Kadavern hinzu, die das Virus über lange Zeit infektiös halten können. Daneben gibt es die indirekten Wege und die sind für Hausschweinbetriebe die eigentliche Gefahrenquelle – über kontaminierte Fahrzeuge, Werkzeuge, Stiefel und Kleidung, über Speiseabfälle mit Schweinefleischanteil, über kontaminierte Schweinefleischprodukte und Schweinefleischerzeugnissen, über mitgebrachte Fleischprodukte aus betroffenen Gebieten und über alles, was unbemerkt von außen in den Stall getragen wird.

Was das Virus so tückisch macht, ist seine Widerstandsfähigkeit. In Blut, Fleischprodukten oder Gewebe bleibt es bei kühlen Temperaturen über Monate, teils Jahre infektiös und übersteht sogar einen breiten pH-Bereich; zudem bleibt das Material des Erregers in getrocknetem Schweinefleisch bis zu 300 Tage und in gefrorenem Fleisch bis zu 1000 Tage infektiös. Die Ansteckung kann auch über kontaminierte Lebensmittel erfolgen, wenn Lebensmittelreste oder andere Essensreste von Wildschweinen aufgenommen werden; für Menschen ist der Verzehr solcher Produkte zwar unbedenklich, für Schweine aber riskant. Der Mensch gilt in Europa als wichtigste Ursache der Ausbreitung und damit auch der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest, etwa durch weggeworfene Speisereste oder mitgebrachte Produkte aus betroffenen Regionen, was diese Tierseuche zusätzlich antreibt. Deshalb sollten Lebensmittelreste nur in verschlossenen Müllbehältern entsorgt werden, damit Wildschweine nicht durch offene Abfälle oder Wurst angelockt werden. Genau diese Zähigkeit nährt seit Langem die Sorge, dass auch Futtermittel, Einstreu oder Insekten eine Rolle spielen könnten. Hier setzen zwei aktuelle Untersuchungen an, die im Frühjahr 2026 in der Berliner und Münchener Tierärztlichen Wochenschrift erschienen sind. Zudem gibt es Hinweise auf eine Übertragung über Zecken, insbesondere die Lederzecke, als möglichem Faktor bei der Virusinfektion.

Frischgras und Silage: Genom ist nicht gleich Infektionsgefahr

Besonders in der Sommer- und Erntezeit häufen sich ASP-Ausbrüche in Hausschweinbeständen. Das hat immer wieder die Frage aufgeworfen, ob frisch gemähtes Gras oder Silage das Virus auf den Hof tragen können – etwa von einer Fläche, auf der sich infizierte Wildschweine aufgehalten haben.

Ein Forschungsteam um das Friedrich-Loeffler-Institut und das Bundesinstitut für Risikobewertung hat das systematisch geprüft. Geschnittenes Gras sowie Gras- und Maissilage wurden gezielt mit Virus kontaminiert und bis zu 180 Tage bei Temperaturen zwischen minus 20 und plus 37 Grad gelagert. Das Ergebnis ist für die Praxis sehr beruhigend und gleichzeitig lehrreich.

Das Erbgut des Virus ließ sich per PCR über den gesamten Zeitraum nachweisen – in allen Silagen und in vielen Grasproben. Vermehrungsfähiges, also tatsächlich ansteckendes Virus fand sich dagegen nur in wenigen Fällen, und das fast ausschließlich in den ersten Stunden nach der Kontamination. Frisches Gras und Silage halten das Virus also nicht über längere Zeit infektiös. Die Milchsäuregärung in der Silage mit ihrem niedrigen pH-Wert dürfte sogar inaktivierend wirken.

Daraus ergibt sich ein Punkt, den man im Hinterkopf behalten sollte: Ein positiver PCR-Befund in einer Futterprobe bedeutet nicht automatisch eine Ansteckungsgefahr. Der Test weist Bruchstücke des Erbguts nach, die auch dann stabil bleiben, wenn das Virus längst nicht mehr lebensfähig ist. Für die Beurteilung eines Risikos ist das ein entscheidender Unterschied, den man bei der Interpretation von Untersuchungsergebnissen kennen muss.

Heißt das, Futter ist egal? Nein. Über den oralen Weg braucht ein Schwein zwar eine sehr große Virusmenge, um sich anzustecken – Schätzungen gehen vom rund 140.000-Fachen dessen aus, was nötig wäre. Aber schon geringe Mengen können ausreichen, wenn ein Tier wiederholt damit in Kontakt kommt oder ohnehin geschwächt ist. Auch die EFSA stuft das Übertragungsrisiko über pflanzliche Futtermittel insgesamt als gering ein. Sorgfalt bei Herkunft, Lagerung und Verwendung von Futter und Beschäftigungsmaterial bleibt damit sinnvoll – nur muss man die Sache nicht dramatisieren.

Zur Studie über Frischgras und Silagen (vetline.de)

Insekten im Stall: Auf welche es ankommt

Die zweite Studie nimmt sich den anderen Verdächtigen vor: blutsaugende Insekten. Dass Ausbrüche im Sommer ihren Höhepunkt erreichen, hat den Verdacht genährt, dass Mücken und Fliegen das Virus zwischen Wildschweinen und Betrieben oder von Stall zu Stall verschleppen könnten. Untersucht wurden drei Gruppen mit ganz unterschiedlichem Verhalten: die Asiatische Tigermücke, der Wadenstecher (eine stechende Stallfliege) und Bremsen.

Auch hier zeigte sich eine klare Temperaturabhängigkeit. Bei kühlen 10 Grad blieb das Virus deutlich länger nachweisbar als bei Hitze – in Wadenstechern ließ sich ansteckendes Virus unter diesen Bedingungen bis zu 168 Stunden, also eine knappe Woche, isolieren. Bei höheren Temperaturen war es dagegen rasch inaktiviert.

Interessant ist die Einordnung. Der Wadenstecher gilt nach diesen Ergebnissen als der relevanteste Kandidat für eine mechanische Übertragung. Er sticht häufig, beide Geschlechter saugen Blut, er fliegt mehrere Wirte in kurzer Zeit an und versammelt sich in großer Zahl an sonnigen Plätzen nahe der Tiere. Die Tigermücke schneidet schlechter ab: Sie nimmt nur winzige Blutmengen auf und hat kleine Mundwerkzeuge, an denen wenig Virus haften bleibt. Bremsen spielten unter den Versuchsbedingungen eine untergeordnete Rolle.

Besonders aufschlussreich war ein Fütterungsversuch. Sechs Schweinen wurden jeweils 16 Mücken verabreicht, die zuvor virushaltiges Blut aufgenommen hatten. Kein einziges Tier erkrankte oder bildete Antikörper. Das Verschlucken infizierter Mücken ist damit nach aktuellem Stand ein sehr unwahrscheinlicher Ansteckungsweg. Mücken sind also nicht das Problem, auf das man sich konzentrieren sollte – stechende Stallfliegen verdienen mehr Aufmerksamkeit, als ihnen oft zukommt.

Zur Studie über Insekten als mögliche Überträger (vetline.de)

Was das konkret für Ihren Betrieb bedeutet

Aus beiden Studien lässt sich eine nüchterne, praktische Linie ableiten. Die größten Hebel liegen weiterhin dort, wo sie immer lagen – bei der konsequenten Biosicherheit. Prävention verlangt hier vor allem durchgängig hohe Standards im Betrieb. Insekten und Futter sind Nebenschauplätze, die man im Blick behalten, aber nicht überbewerten sollte.

Für die tägliche Arbeit heißt das vor allem:

  • Strikte Trennung von außen und innen. Geschlossene Ställe, strikte Zugangskontrollen, eigene Stallkleidung und -stiefel sowie ein sauberer Schwarz-Weiß-Bereich sind zentral; Landwirte und Landwirtinnen sollten ihre Biosicherheitsmaßnahmen regelmäßig überprüfen und anpassen. Besonders kritisch sind die Zugänge für Personen und Fahrzeuge, denn hier erfolgen die meisten Viruseinträge. Konsequente Reinigung und Desinfektion mit Mitteln, die das ASP-Virus zuverlässig inaktivieren, sind daher unerlässlich.

  • Wildschweine fernhalten. Stabile Zäune, kein offen zugänglicher Auslauf in Risikoregionen, kein Eintrag von Material aus Flächen mit Wildschweinkontakt.

  • Stallfliegen aktiv bekämpfen. Gezielter Einsatz von Insektiziden, gute Stallhygiene und die Beseitigung von Brutstätten senken die Zahl der Wadenstecher – das ist der Insektenaspekt mit der größten praktischen Relevanz.

  • Futter und Einstreu mit Verstand handhaben. Bekannte Herkunft, ordentliche Lagerung. Bei Silage spricht die Datenlage für ein sehr geringes Risiko, ganz ausschließen sollte man eine Kontamination kritischer Matrizes trotzdem nicht.

  • Befunde richtig lesen. Ein PCR-Nachweis im Umfeld belegt eine Kontamination, nicht zwingend eine akute Ansteckungsgefahr. Die Restriktionen infolge sind mannigfaltig.

Bei der amtlichen Feststellung in Hausschweinen werden Sperrzonen mit Kernzone und Pufferzone eingerichtet; in einem Radius von etwa 15 km sind Transporte von Schweinen, Fleisch und Futtermitteln eingeschränkt. Je nach Lage in einem betroffenen Landkreis können die Behörden außerdem komplette Jagdruhe , die Suche nach verendeten Wildschweinen und zentrale Aufbrüche bei Gesellschaftsjagden anordnen, weshalb auch Jäger und Jägerinnen eng eingebunden sind.

Und schließlich: ungeklärte Todesfälle, jede Häufung von Fieber, Fressunlust oder plötzlichen Verlusten ernst nehmen und umgehend abklären lassen. Je früher ein Verdacht auf den Tisch kommt, desto eher lässt sich Schlimmeres verhindern.

Im Zweifel früh nachfragen

Die Afrikanische Schweinepest bleibt eine ernste Bedrohung, aber kein unkalkulierbares Schreckgespenst. Die ASP erreichte Deutschland im Spätsommer 2020: Am 10. September 2020 bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) den ersten Nachweis bei einem tot aufgefundenen Wildschwein in Brandenburg, nahe der deutsch-polnischen Grenze. Am 31. Oktober 2020 wurde das Virus erstmals bei einem Wildschwein in Sachsen nachgewiesen, im November 2021 folgte der erste Nachweis in Mecklenburg-Vorpommern. In diesem ostdeutschen Geschehen, dessen Ursprung im polnischen Infektionsgebiet liegt, kam es in der Folge vereinzelt auch zu Einträgen in Hausschweinebestände.

Ab Mitte 2024 entwickelte sich ein zweites, davon unabhängiges Geschehen im Westen und Südwesten: Im Juni 2024 trat die ASP erstmals in Hessen auf, Anfang Juli 2024 in Rheinland-Pfalz und in der Folge auch in Baden-Württemberg. Genomanalysen zeigten, dass es sich dabei um einen anderen Virustyp mit Herkunft aus Südosteuropa handelt, der vermutlich durch den Menschen eingeschleppt wurde. Zuletzt erreichte die Seuche am 14. Juni 2025 mit einem verendeten Wildschwein im Kreis Olpe (Gemeinde Kirchhundem) erstmals Nordrhein-Westfalen – und damit Westfalen, wo sie sich seither auf die angrenzenden Kreise Siegen-Wittgenstein und den Hochsauerlandkreis ausgeweitet hat.

Während das östliche Geschehen inzwischen weitgehend unter Kontrolle ist bildet der west- und süddeutsche Raum derzeit den aktiven Schwerpunkt.Die Forschung zeichnet ein zunehmend klares Bild davon, welche Wege wirklich zählen und welche eher theoretisch sind. Wer seine Biosicherheit darauf ausrichtet, schützt seinen Bestand am wirksamsten.

Wenn Sie Ihre Maßnahmen prüfen lassen, einen Verdacht einordnen oder Befunde verstehen möchten, sprechen Sie uns an. Wir begleiten Schweinebetriebe seit Jahren – über Standorte und Ländergrenzen hinweg – und ordnen die aktuelle Seuchenlage für Ihren Betrieb ein, bevor aus einer Frage ein Problem wird.