MMA und Durchfall strategisch bekämpfen

Ein Sauenhalter hatte massive Probleme mit Saugferkeldurchfall und MMA. Erst ein ganzheitlicher Sanierungsplan und Zusatzprodukte auf Basis von Quorum Sensing Inhibition zeigten Wirkung.

Lassen sich tiergesundheitliche Probleme in einem Schweinebestand trotz großer Bemühungen nicht in den Griff bekommen, kann das zu großer Frustration führen. Nicht nur bei dem Landwirt selbst, sondern auch bei seinen Mitarbeitern. Und in genau einer solchen Situation befand sich ein mitteldeutscher Betrieb mit rund 650 Sauen im geschlossenen System.

Der Schweinehalter und sein achtköpfiges Team kämpften bereits seit Monaten gegen schwere Saugferkeldurchfälle an. Da die Tiere häufig am ersten Lebenstag erkrankten, erreichte die Sterblichkeit zeitweise über 20%. Selbst in nicht ganz so stark betroffenen Abferkeldurchgängen lagen die Verluste auf einem absolut inakzeptablen Niveau. Hinzu kam, dass annähernd jede Sau in der Laktation vom MMA-Komplex, das heißt von Mastitis (Gesäugeentzündung), Metritis (Gebärmutterentzündung) und Agalaktie (Milchmangel), betroffen war.

Alle an einen Tisch

In der Folge sah sich der Betrieb nicht nur mit einer ausufernden Arbeitsbelastung, sondern auch mit einem massiven und teuren Medikamenteneinsatz konfrontiert. Bei besonders schweren Krankheitsverläufen wurden im Zuge der antibiotischen Behandlungen bis zu vier verschiedene Wirkstoffe pro Ferkel eingesetzt – oftmals ohne dass sich ein entsprechender Behandlungserfolg einstellte.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass angesichts der komplexen Situation Einzelmaßnahmen keinen Sinn mehr ergaben. Aus diesem Grund wurde ein interdisziplinärer Arbeitsplan aufgestellt, der die Betriebs- und Anlagenleitung inklusive Mitarbeiter aus der Abferkelung, die Fütterungsberatung sowie uns als neu hinzugezogene bestandsbetreuende Tierarztpraxis einschloss. Ziel war ein stufenweiser Sanierungsprozess, der infektiöse als auch managementbedingte Faktoren berücksichtigt.

Clostridien und E. Coli

Dabei richtete man aus tiermedizinischer Sicht den Fokus zunächst auf eine umfassende Diagnostik, die schnell von klaren Hinweisen auf bakterielle Pathogene geprägt war. Die folgenden bakteriologischen Untersuchungen, Resistenztests und PCR-Analysen brachten dann die Fakten auf den Tisch: Neben Clostridium perfringens Typ A wurden nekrotoxinbildende E. coli-Stämme (NTEC) nachgewiesen. Gerade NTEC-Stämme sind bekannt dafür, durch Toxine schwere, oft therapieresistente Durchfälle auszulösen.

Aufbauend auf diesen Diagnoseergebnissen wurde in einem ersten Schritt versucht, durch ein massives therapeutisches Eingreifen die Akutsymptomatik zu bremsen. Ergänzend zu mehreren Antibiotikakombinationen pro Ferkel wurde auf Grundlage der Resistogramme ein Breitbandantibiotikum eingesetzt. Trotz hoher Einsatzfrequenz ließ sich das klinische Bild aber nur kurz positiv beeinflussen. Unterm Strich entlastete die Behandlung die Ferkel kaum und der Therapieindex stieg weiter an. Zudem wurden aufgrund der vielen Behandlungen die Arbeitsabläufe immer unüberschaubarer.

Gut versorgt mit Kolostrum

Es wurde deutlich, dass schnell weitere Managementanpassungen aus dem Sanierungsplan greifen mussten. Dazu zählte u. a., dass die Heiztechnik der Ferkelnester durch eine Firma gewartet wurde, um hier konstante, warme Temperaturen zu garantieren. Außerdem führte das Betreuungspersonal im Abferkelstall erfolgreich das Split-Suckling ein. Dabei werden am Tag der Geburt die größeren Ferkel eines Wurfes zeitweise separiert, um kleineren Geschwistertieren eine bessere Kolostrumaufnahme zu ermöglichen.

Der Faktor Zeit spielt hierbei eine besondere Rolle. Denn nur innerhalb der ersten zwölf Lebensstunden können die im Kolostrum enthaltenen Immunglobuline den Darm passieren und den Ferkeln eine passive Immunität verleihen. Zudem ist der Betrieb dazu übergegangen, den Ferkeln teils bereits ab dem ersten Lebenstag in Rundtrögen eine Elektrolytlösung zur freien Aufnahme anzubieten.

Eine weitere Verbesserung in puncto Kolostrumaufnahme und Ferkelvitalität brachten Anpassungen beim Wurfausgleich. In der Vergangenheit versuchten die Mitarbeiter, die Würfe so schnell wie möglich auszugleichen – bei mehreren frischgeborenen Würfen zum Teil schon kurz nach der Geburt. Das Vorgehen wurde insoweit abgeändert, dass am ersten Lebenstag keine Ferkel versetzt werden sollen. Durch diese Grundregel wird auch verhindert, dass sich der Durchfall schnell unter den Würfen verteilt.

Ferkel werden früh gedrencht

Da das klinische Bild weiterhin instabil blieb, ging der Betrieb neue Wege und setzte eine Reihe von Präparaten ein, die das Tiergesundheitsunternehmen AHV Deutschland auf Basis der Quorum Sensing Inhibition (QSI) entwickelt hat. Dieser biotechnologische Ansatz zielt darauf ab, die bakterielle Kommunikation (Quorum Sensing) zu hemmen. In Konsequenz fällt es pathogenen Bakterien wie E. coli oder Clostridien schwerer, ihre Virulenzfaktoren, die Biofilmbildung und die Toxinproduktion zu steuern. Zudem werden sie wieder sichtbarer für das Immunsystem, die Virulenz sinkt und die natürlichen Abwehrmechanismen arbeiten effektiver.

In der Praxis sieht das so aus, dass die Ferkel frühestens 12 bzw. spätestens 48 Stunden nach der Geburt prophylaktisch mit 2 ml AHV Control Liquid gedrencht werden. Eher sollte die Behandlung nicht erfolgen, um eine ausreichende Kolostrumaufnahme abzusichern. Lebensschwache Ferkel erhalten zusätzlich in der kritischen Phase nach der Kolostrumaufnahme das Präparat AHV Activate Liquid als orale Gabe.

Schnell war zu beobachten, dass die Durchfälle am ersten Lebenstag fast vollständig verschwanden und sich auch die Verluste in den ersten drei Tagen nahezu halbierten. Da die Betreuer nur noch maximal eine antibiotische Behandlung pro Ferkel durchführten, reduzierte sich auch der Therapieindex deutlich.

Ähnlich erfolgreich kam bei den Sauen das Ergänzungsfuttermittel AHV Metri Paste zum Einsatz. Durch die Bereitstellung schnell resorbierbarer Energie, bioaktiver Bestandteile und Dicalciumphosphat soll das Präparat die Aktivität und Widerstandskraft der Sauen nach dem Abferkeln fördern. Tatsächlich zeigte die orale Gabe rund um die Geburt, besonders bei zweifacher Anwendung, Wirkung: Weniger Sauen mit erhöhter Körpertemperatur, bessere Futteraufnahme, stabileres Gesäuge und somit weniger MMA-Probleme in der Herde.

Insbesondere bis zur Anpassung der neuen Futterrezepturen und begleitend zu den flankierenden Managementmaßnahmen war der Einsatz sinnvoll. Das bestätigten auch die regelmäßigen Fieberkontrollen, die das Stallpersonal durchführte.

Neues Impf- und Futterkonzept

Komplettiert wurde der Maßnahmenplan von einer Überarbeitung des Impf- und Futterkonzeptes. So wurde neben dem bereits seit Längerem eingesetzten stallspezifischen Streptokokken-Impfstoff ein weiterer stallspezifischer Impfstoff gegen E. coli und Clostridium perfringens von uns entwickelt. Dieser wird als Mutterschutzimpfung verwendet und brachte bereits nach sechs bis zehn Wochen eine deutliche Basisimmunität auf Herdenebene.

Die Fütterung war ein wichtiger Bestandteil des Sanierungsprozesses. In enger Zusammenarbeit mit dem Futtermittelberater wurden alle Sauenrationen gegengerechnet, Rohstoffproben analysiert und sogar die Mischprotokolle im Futtermittelwerk geprüft. So konnten noch einige kleinere Stellschrauben gedreht werden, die zu einer Erhöhung der Milchleistung geführt haben.

Letztlich war es das strategische Vorgehen anhand eines interdisziplinären Gesamtkonzeptes und die aufeinander abgestimmten Anpassungen in der Tiergesundheit, Management und Fütterung, die die schweren Krankheitsverläufe mit Durchfall und MMA nachhaltig beherrschbar machten. Nicht zu vergessen das tägliche, konsequente Umsetzen dieser Ansätze im Stall. Der Lohn sind nicht nur gesunde, leistungsfähige Tiere, sondern auch Mitarbeiter, die wieder lächelnd aus der Abferkelung kommen.

„Enge Zusammenarbeit aller Stufen war der Schlüssel“
Christian Baumann, Tierarzt

Fazit

  • Ein Sauenhalter hatte mit Saugferkeldurchfall und MMA zu kämpfen.

  • Als infektiöser Auslöser wurde NTEC identifiziert.

  • Einzelmaßnahmen mit Antibiotika brachten keinen Erfolg.

  • Eine Optimierung von Tiergesundheit, Fütterung und Management brachte die Wende.

  • Zudem entschärfte der Einsatz neuer Tiergesundheitsprodukte das Krankheitsgeschehen.